Dass Nina den Iltis heiraten wollte, sprach sich in Windeseile herum. Ich war bestimmt eine der Letzten, die es erfuhr, und ich war nicht erbaut. Was natürlich absolut nichts damit zu tun hatte, dass ich selbst einmal was mit dem Iltis gehabt hatte. Im übrigen war das ungefähr zehn mal so lange her, wie es gedauert hatte.
Natürlich hieß der Iltis nicht Iltis, sondern Iris. Den nicht sehr schmeichelhaften Namen hatte ich ihr angehängt, weil sie nun mal wie ein Iltis aussieht: langer, sehr beweglicher Körper auf eher kurzen Beinen, kleiner Kopf mit stumpfer Mund-Nasen-Partie, eng stehende, böse Augen, gefährlich spitze Zähne.
In gewissen Momenten, in, wie soll ich sagen, Augenblicken der Ekstase, pflegte Iris sich mit wieselartiger Geschmeidigkeit zu winden und zu drehen, und wenn sie zum Orgasmus kam, stieß sie einen gellenden Schrei aus, der es durchaus mit dem Drohschrei eines Iltis aufnehmen konnte.
Ich erfuhr es von Katrin.
„Verschwiegenheit ist sicher eine Tugend“, sagte sie in diesem etwas spitzen Höhere-Tochter-Ton, der mich jedes Mal innerlich schockgefriert. „Aber musstest du so weit gehen, mir zu verheimlichen, dass deine Zwillingsschwester den Iltis heiratet?“
Ich brauchte lange, das zu verdauen und noch länger, sie zu überzeugen, dass ich keine Ahnung hatte. Als das geschafft war, beschloss ich, alles daran zu setzen, diese Heirat zu verhindern.
Ich rief Nina an. „Wie kannst du nur“, sagte ich. „Was denkst du dir dabei. Warum hast du mir nichts gesagt.“
Leider war nur ihr Anrufbeantworter dran.
Als nächstes nahm ich mir den Iltis vor. Ich sparte mir ein Gespräch mit ihrem Anrufbeantworter. Dem Iltis war es gelungen mit nichts als einem abgebrochenen Romanistikstudium ein bezahltes Volontariat bei einem Restaurantführer zu ergattern. Ausgerechnet der Iltis, dessen kulinarische Vorlieben zwischen Fünf-Minuten-Terrine und Nutella-Glas oszillierten.
Ich stürmte ins Büro und schrie: „Lass die Finger von meiner Schwester!“ Lang drum rum reden ist eben nicht meine Art.
Es gab drei Schreibtische in dem ca. drei mal vier Meter großen Raum, an einem saß der Iltis, an den anderen zwei Kerle mit Raverbärtchen, der eine dick, der andere dünn, der eine mit Brille, der andere ohne. Abgesehen davon hätte einer des anderen Klon sein können. Beide sahen den Iltis, ich wette zum ersten Mal, mit einem Anflug von Interesse an.
Der Iltis zeigte spitze Zähne. „Ich weiß wirklich nicht, wovon...“
„Und ob“, schrie ich. „Das ist dein Ende.“
„Aber...“
„Kein aber, kein Laber. Die Hochzeit kannst du vergessen.“
Ich fand das einen echt starken Auftritt und verließ die Bühne mit der festen Überzeugung, dass nun alles klar sei. Der Iltis würde sich in seinen Bau verkriechen und sich nie wieder blicken lassen.